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19. Oktober 2020

Urbane Lebensmittellogistik nachhaltig gestaltet

Werden Nahrungsmittel nicht am Land erzeugt? Was hat dann eine Stadt mit Ernährung am Hut? In der dreiteiligen Workshopreihe „Ernährung findet Stadt“, vom ÖIN gemeinsam mit der Stadt und dem Ernährungsrat Innsbruck im Auftrag des Klimafonds veranstaltet, werden drei unterschiedliche Wege zur Stimulierung eines nachhaltigen urbanen Ernährungssystems ausgelotet.

Der Auftakt erfolgte am 22. September 2020 in der Markthalle Innsbruck im Rahmen der Innsbrucker Mobilitätswoche. Sie gab die Themenstraße des Workshops vor, mit den Hauptrichtungen: Wie kann eine urbane Lebensmittellogistik nachhaltig gestaltet werden?  Welche Anliegen und Ideen gibt’s dazu in Innsbruck? Welche Restriktionen und Optionen gibt‘s für eine gelungene Umsetzung?

Vertreter*innen der Stadt, des Ernährungsrats, der Wirtschaft und Zivilgesellschaft loteten erst Grundsätzliches aus. Dann wurde die Lage mitten und nach dem Corona-Lockdown erörtert. Die Pandemie hatte über Nacht diverse Lieferkonzepte aus der Taufe gehoben. Die meisten davon waren jedoch wenig nachhaltig – mit klassischen PKWs. In der Innsbrucker Zivilgesellschaft gärte es. So wurde vom Verein Zukunftsschmiede das Konzept „Zeitnah“ ersonnen. Dieses sieht Lieferungen innerhalb eines Tages mit Elektro-Lastenrädern vor, und wenn die Bestellung vor einer bestimmten Uhrzeit eingeht, erfolgt die Lieferung sogar innerhalb desselben Tages.

Weiters wurden regionale und geografische Besonderheit der Stadt Innsbruck im Kontext urbaner Transportsysteme besprochen:

  • Die Topografie: Innsbrucker Stadtteile befinden sich zum Teil 300 Höhenmeter über dem Zentrum. Übersteile Straßensituationen müssen für beladene Lastenräder als unüberwindbar angesehen werden.
  • Nähe versus Distanz: Kurze Distanzen im Talboden stehen im Widerspruch zu großen Wegstrecken im verschwommenen Bereich der Peripherien. Wo hört der Lieferradius auf (Auf die Hungerburg fährt so schnell kein Lastenrad …)?
  • Gemeinden am Stadtrand: Werden die nahegelegenen Gemeinden ins Lieferkonzept aufgenommen?

Als eine erste Conclusio wurde die Formel „Gewicht hat seinen Preis“ geboren. Vor allem durch den topografischen Kontext ist für künftige Lastenradunternehmungen das Verhältnis von Gewicht und Preis ausschlaggebend.

Weitere wesentliche Punkte, die diskutiert wurden, waren:

  • Ein geeignetes Bestellsystem, das beispielsweise über einen Onlineshop verfügt;
  • Probate Bezahlsysteme – vom klassischen Bargeld bis zur online-Bezahlung;
  • Geeignete Umschlagplätze für die Neusortierung und Kommissionierung von Lebensmitteln, wobei sich hier die Markthalle Innsbruck anbot;
  • Gemischte Verteilungs- und Transportsysteme (Elektro, Hybrid, Muskelkraft);
  • Rechtliche Fragen wie Unternehmenstyp, Versicherung und Haftungen;
  • Organisatorische Überlegungen wie die Gründung einer Genossenschaft;
  • Positionierungsthema für Jobs: gesund durch sportliche Betätigung;

Weiters wurde angedacht, nicht verkaufbare Lebensmittel-Restbestände zum Beispiel von FoodCoops oder aus der Markthalle zu einem „Überraschungskistl“ zu füllen. „Dann gibt’s das, was da ist!“, so der O-Ton. Mit Amazon kann und will niemand konkurrieren. Deshalb gilt: „Es gibt, was verfügbar und lagernd ist.“

Am Schluss wurden mögliche Lebensmittel diskutiert, die von Beginn der Lieferkette an über ein E-Lastenradsystem ohne zusätzlichen Aufwand an Kühlung oder Lagerung gut transportierbar sind. Damit geht’s um veredelte und abgepackte Lebensmittel wie Tees, Wein oder Kaffee. Ein Teilnehmer der „Tiroler Klimabohne“ erzählte von aus Nicaragua per Segelschiff und Lastenrad klimaneutral nach Innsbruck gelieferten Kaffeebohnen. Nachhaltiger geht’s nicht.

 

Autoren dieses Beitrages: Alfred Strigl und Sylvester Kapferer, ÖIN