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19. Oktober 2020

Selbstständige im Resilienz-Gespräch 11: Gemeinsam durch herausfordernde Zeiten

Zum Abschluss der Aktion „Selbstständige für Selbstständige“ auf imGrätzl.at (unterstützt vom Klima- und Energiefonds) lassen wir die teilnehmenden Expert*innen noch einmal zu Wort kommen. Wir wollten von ihnen kurz und knackig wissen, wie sie die Aktion erlebt haben, welche Erfahrungen sie
gemacht haben und welchen Wert sie darin für lokale Wirtschaftskreisläufe sehen. Kurz und knackig – genau richtig für einen schnellen Espresso!

Das letzte, etwas längere Gespräch führen wir mit Sabine Reitmayr-Wawer. Sabine ist Business & Marketing Coach und LEGO® Serious Play® Workshop Facilitator. Dabei begleitet und unterstützt sie Einzelpersonen und Unternehmer*innen, die ihre Visionen und Ziele erreichen wollen, mit individuellen Coachings. Und zwar so, dass sie ihre Arbeitsrealität mit ihrem Alltag, ihrer Persönlichkeit und ihren Vorstellungen vereinbaren können.

Im Rahmen der Aktion „Selbständige für Selbständige“ hat Sabine Angebote eingebracht, die Unternehmer*innen – ob vor der Gründung, in der Gründungsphase oder schon mitten im Business stehend – in diesem Krisenjahr ganz individuell unterstützen. Ziel der Coachings war es, sich der
unternehmerischen und persönlichen Ressourcen und Möglichkeiten (wieder) bewusst zu werden, wieder in die Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit zu kommen und ambitionierte aber realisierbare Ziele sowie die Schritte dorthin zu definieren.

Mit dem Spezial-Angebot „Business Mate auf Zeit“ konnte Sabine zu Beginn der Corona-Krise außerdem ein neues Angebot launchen. Dabei verzichtet sie bewusst auf klassische Coaching- oder Beratungsprozesse, sondern zielt auf das – v. a. bei Ein-Personen-Unternehmen – oft fehlende,
„automatisch“ vorhandene Umfeld aus Kolleg*innen. Mit diesem Angebot möchte sie den oft fehlenden, ungezwungenen Austausch bieten. Im Rahmen von „Selbstständige für Selbstständige“ konnte dieses Format ausprobiert werden.

Was waren deine Erfahrung bei den Beratungsgesprächen im Rahmen von „Selbstständige für Selbstständige“? Gab es besondere AHA-Erlebnisse?
„Meine Erfahrungen waren durchwegs positiv. Eine Win-Win-Situation für beide Seiten – in der Anfangsphase der Corona-Krise vor allem dadurch, dass ich „am Ball“ bleiben, den Wegfall des regulären Coaching-Businesses mit pro-bono Aktivitäten kompensieren (also weiter im Tun zu bleiben), Insights zur Situation & den Bedürfnisse von EPUs in der aktuellen Lage zu bekommen und so neue Möglichkeiten für mein eigenes Business ausloten konnte. Im Laufe der Aktion haben sich daraus auch sehr gute, neue und interessante Kontakte und Referenzen ergeben. Und das schönste
dabei: die „Kund*innen“ konnten so viel für sich mitnehmen! Zu sehen und rückgemeldet zu bekommen, wie hilfreich, inspirierend und motivierend diese Sessions für sie waren, ist definitiv der größte Gewinn – für beide Seiten! Mein Aha-Erlebnis: wie groß Loyalität, Unterstützung und
Zusammenhalt auch in der Business-Welt sein können!“

Würdest du sagen, dass es auf einer übergeordneten Ebene Themen oder Probleme gibt, die mehrere Selbständige aktuell beschäftigen? Also ein Kernthema, das unabhängig von der Branche immer wieder gekommen ist?
„Ja. Ich sehe sogar 3: Ein Kernthema ist definitiv jenes, das ich mit meinem Angebot „Business Mate auf Zeit“ adressiere [siehe oben]. Durch den Wegfall von physischen Netzwerk-Treffen, Co-Working-Spaces, offline-Workshops etc. ist das Bedürfnis nach persönlichem Austausch, nach Kontakt zu
anderen Selbständigen usw. noch größer geworden. Denn „online“ kann den direkten Kontakt einfach nie voll ersetzen. Und dabei ist doch gerade dieser Austausch mit anderen so wichtig für uns und unsere Entwicklung – nicht nur als Person, sondern auch als Unternehmer*in! Ein anderes, ganz
essentielles Kernthema, das sich meiner Meinung nach momentan eher verschärft als entspannt, ist diese Situation der Unvorhersehbarkeit und Unplanbarkeit. Nicht nur, weil man einfach nicht weiß, wann es „vorbei“ sein wird. Sondern auch aufgrund der fehlenden Rahmenbedingungen bzw. der
Rahmenbedingungen, die sich fast wöchentlich und unvorhersehbar ändern. Und aufgrund der generellen Orientierungslosigkeit, die gerade herrscht. Menschen und vor allem auch Unternehmer*innen brauchen einfach Ziele, Visionen, Optionen und Klarheit, um „dran zu bleiben“ und weiter zu arbeiten. Mir ist bewusst, dass das momentan alles nicht so geht wie man es sich wünschen würde. Fehlt diese Klarheit aber gänzlich, geht leider auch der Unternehmer*innengeist und der Antrieb verloren. Und das macht es dann schwer, „durchzuhalten“ und unternehmerischen Antrieb, Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit und „Tun“ aufrecht zu erhalten. Das dritte Kernthema, das ich sehe, betrifft vor allem Selbständige und Unternehmer*innen, die Eltern sind. Das sind die (mittlerweile zum Glück) auch öffentlich thematisierten Themen wie Rollenverteilung, Home-Schooling oder Sorgen (Existenz, Wohlbefinden der Kinder, Quarantäne-Bedenken,…), die sich negativ auswirken können und einfach einen ganz großen Teil der Denk- und Handlungskapazitäten einnehmen. Und dadurch – in einer ohnehin schon schweren Zeit für Selbständige – noch weniger Zeit lassen, am Business zu arbeiten. Und – was ich ganz persönlich sehr schade und fast problematisch finde – diese Situation lässt auch kaum oder gar nicht Zeit, Möglichkeiten, Alternativen etc. auszuloten oder etwas Neues auszuprobieren, selbst wenn das vielleicht gerade der beste Weg wäre, um durch die Krise zu kommen. Viele kommen da gerade über die Grenzen ihrer Möglichkeiten und Kapazitäten.“

Hast du in der Aktion wechselseitige Unterstützung erlebt? Wenn ja, wie sah das bei dir aus?
„Ja, definitiv. Bei mir vor allem in Form von Empfehlungen, Referenzen und zum Teil Gegeneinladungen, ein Angebot zu nutzen – selbst, wenn nicht im Rahmen der Aktion angeboten.“

Danke dir, Sabine, für den Einblick in deine Erfahrungen!

Die Aktion „Selbstständige für Selbstständige“ wurde vom Team der Wiener Plattform imGrätzl.at als Reaktion auf die Covid-19-Maßnahmen Ende März 2020 auf die Beine gestellt. Nach einer Überarbeitungsphase wurde die zweite Phase der Aktion mit der Unterstützung des Klima- und Energiefonds Ende Mai gestartet. Worum geht’s? Im Rahmen von „Selbstständige für Selbstständige“ unterstützten Expert*innen (Selbstständige, Ein-
Personen-/Kleinstunternehmen und Macher*innen) andere Macher*innen mit ihren Angeboten. Ziel davon war, in einer herausfordernden Zeit etwas Positives in Bewegung zu setzen, lokale Wirtschaftskreisläufe zu stärken und gegen- bzw. wechselseitige Unterstützung sowie Vernetzung zu ermöglichen. Die Bilanz: Über 200 Expert*innen stellten in 5 Monaten rund 700 Beratungstermine kostenlos zur Verfügung.

Mehr Infos unter www.imGrätzl.at
Mehr Infos zu Sabine Reitmayer-Wawer: https://www.wawer.at/