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20. Jänner 2021

Nachhaltige Ernährung im urbanen Raum

Am 25. November 2020 wurde der zweite der dreiteiligen Workshopreihe mit dem Thema „Nachhaltige Ernährung findet Stadt – vom öffentlichen Wohnbau bis ins Quartier“ abgehalten – coronabedingt online via Zoom. Die Leitfrage der Veranstaltung und des regen Gesprächs lautete: „Wie können öffentlicher Wohnbau und Quartiersentwicklung ein nachhaltiges, städtisches Ernährungssystem in Innsbruck fördern und stärken?“.

Drei ausgewiesene Stadtexpert*innen konnten für kurze, aktivierende Impulsvorträge gewonnen werden: Ute Ammering und Claudia Sacher vom Ernährungsrat Innsbruck zeigten in ihrem Input „Good Practice. Von Ernährungsprojekten lernen“ auf, was anderswo gut läuft und wo Innsbruck noch Nachholbedarf hat. Anton Stabentheiner demonstrierte, wie in seinem Projekt „Haus im Leben. Einbindung in die Quartiersentwicklung“ Nachhaltigkeit schon jetzt Realität ist. Und Paul Klumpner von den ISD (Innsbrucker Soziale Dienste) gewährte Einblick in die Stadtteilarbeit mit dem Beitrag „Campagne Reiter Areal. Kooperativer Wohnbau in Innsbruck“.

Die wichtigsten Punkte des Workshops sowie Ergebnisse:

In der Zivilgesellschaft gibt es den Bedarf nach mehr Freiraum – besonders im Altbestand, um Dinge ausprobieren zu können, beispielsweise gemeinschaftliche Gemüsebeete. Auch fordert die Zivilgesellschaft (angeführt vom Ernährungsrat Innsbruck) kleine, einfache und kostengünstige Projekte und Lösungen. Die Stadtteilarbeit sieht die positiven Möglichkeiten bzw. Verstärkereigenschaften kleiner Urban-Gardening-Initiativen, die weitere Aktivitäten im öffentlichen Raum anziehen (Möbel zum Verweilen etc.) und diese wie Multiplikatoren verstärken.

Von Seiten der Wohnbauträger wird betont, dass sowohl organisationsintern als auch von Seiten der Stadt Kümmerer*innen unabdinglich für eine nachhaltige und längerfristige Umsetzung von Projekten vonnöten sind. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Bildungsauftrag, den Ernährungsprojekte für die Gesellschaft erfüllen können – durch (wieder-)gewonnene Nähe zu Lebensmittel und deren Produktion. Das Tiroler Stanzertal wird als Good-Practice-Beispiel angeführt, wo mit Kindern z.B. Getreide geerntet und damit eigenes Brot gebacken wird.

Mitarbeiter*innen der eingeladenen universitären Fachbereiche sowie Forschungseinrichtungen sehen den Wechsel von einer Nachfrage- zu einer Angebotsplanung im Bereich nachhaltiger Lebensgestaltung bzw. Lebensstile als zentral –  im öffentlichen Wohnbau und im Bereich Ernährung. Diese Änderung zur Angebotsplanung sollte am Beispiel der öffentlichen Verkehrsmittel gelernt werden. Weitere Punkte sind die Aufnahme positiver, umgesetzter Beispiele wie etwa Gemeinschaftsküchen in die Wohnbauförderung sowie der generellen Planung. Neue Vertriebswege und kreative Absetzmöglichkeiten in der Stadt könnten vor allem die Stadt-Umland-Beziehung und wirtschaftliche Vernetzung deutlich verbessern.

Die Stadtpolitik und -verwaltung sieht eine Involvierung von Ernährungsthemen bereits in der Planungsphase als zielführend. Das Campagne-Areal in Innsbruck Reichenau greift dies auf und sieht Ernährung bereits als eine zentrale Anforderung an den öffentlichen Raum. Das Ermöglichen vielfältigen Engagements ist wertvoll und zeigt, wie mit kleinen Mitteln viel erreicht werden kann. Dem will die Stadt stärker Rechnung tragen und in Zukunft vor allem auf rechtlicher Seite Möglichkeiten finden, mit etwaigen Haftungsfragen durch die Nutzung des öffentlichen Raumes umzugehen. Allerdings wird auch darauf hingewiesen, dass das Thema aufgrund vieler unterschiedlicher Interessen sehr komplex ist. Fragen der ökonomischen Machbarkeit und Umsetzbarkeit stehen dabei immer auch im Raum.